von David Dagan
Nach einer Sommerpause geht es im Blog "Deutschland und Darfur"
weiter. Und wieder schauen wir in die USA.
Scott Gration hat eine Vision. Er will einen friedvollen, demokratischen Sudan. Ein Land, das die eigenen Menschen sowie seine Nachbarn respektiert und nicht zuletzt mit den USA kooperiert.
Wie er diese Vision umsetzen will, konnte Barack Obamas Sondergesandte für den Sudan Ende Juli 2009 bei seinem ersten Auftritt vor einem Kongressauschuss nicht erklären. Statt eine konkrete Handlungsweise aufzuzeichnen präsentierte Gration eine Galerie alter Hüte: Prinzipien, über die sich sowieso alle einig sind.
Dass es an Details fehlte hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Obama Regierung ihre interne Debatte über eine Sudanstrategie noch nicht abgeschlossen hat. Eine offizielle Politik soll in den nächsten Wochen verspätet vorgestellt werden. Amerikanische Zeitungen berichten, dass Gration erwägt, Khartum eine Lockerung amerikanischer Wirtschaftssanktionen im Gegenzug für Kooperation anzubieten. Diesen Vorschlag sprach Gration nicht an. Er sagte lediglich, eine Lockerung der Wirtschaftssanktionen sei notwendig, um im Süden des Landes beim Wiederaufbau zu helfen.
Gration wehrte sich jedoch gegen Kritiker, die ihm wegen seines bisher sanften Tons Khartum gegenüber Naivität unterstellen. Dialog bedeute nicht, dass es keinen Druck geben kann, sagte er. Gerade durch Dialog könnte der sudanesischen Führung klar gemacht werden, dass sie ohne Kooperation isoliert blieb.
Doch wo der Druck konkret herkommen soll und wie man Khartum so isolieren kann, dass es auch weh tut -- dazu äusserte sich Gration nicht. Allerdings versprach er einem Senator, die Druckmittel später hinter verschlossenen Türen zu besprechen.
Es folgten Aussagen, die den Kritikern Grations neue Munition geben. Die Chinesen, die mit dem Sudan einen riesigen Ölhandel betreiben und das Land seit Jahren bei der UNO in Schutz nehmen, hätten im Sudan genau dieselbe Agenda für Sicherheit und Stabilität wie die USA, sagte Gration. Zu den zersplitterten Rebellengruppen, die sich ohne Druck kaum einigen werden, sagte er: "We're not pushing the rebels to unite. We're creating an environment where they can unite."
Die Washington Post berichtet indessen, dass Gration vor kurzem einer Gruppe von Flüchtlingen aus Darfur in Aussicht stellte, sie könnten sich auf eine baldige Heimkehr vorbereiten -- kaum ein realistischer Vorschlag.
Die grossen Fragen, mit denen er konfrontiert ist, hat Gration vor dem Kongressauschuss nicht angesprochen. Warum sollte Khartum vor dem südsudanesischen Referendum die Lage in Darfur stabilisieren wollen? Liegt es nicht eher in dem Interesse des Regimes, Kooperation in Darfur erst später zu vereinbaren -- und dann als "Gegenleistung" internationale Zurückhaltung in der Frage der Unabhängigkeit für den Süden des Landes zu verlangen? Was wollen die Rebellen in Darfur -- gibt es auf Seiten der Bevölkerung überhaupt eine Partei, die ein Mandat für Verhandlungen hat? (Einen Versuch, eine zivilgesellschaftliche Bewegung mit einem solchen Mandat aufzustellen, hat Khartum übrigens mit wenig internationaler Beachtung im Frühling dieses Jahres zerschlagen.)